
In den vergangenen Wochen habe ich viele aufschlussreiche Anmerkungen und nachdenkliche Fragen zu meinem Sci-Fi-Thriller Responsio erhalten.
Diese Gespräche eröffnen oft neue Perspektiven auf die wissenschaftlichen und philosophischen Ideen der Geschichte.
Ich bin überzeugt, dass auch andere Leserinnen und Leser von diesen Diskussionen profitieren können — deshalb habe ich hier einige der interessantesten Beiträge sowie meine Überlegungen und Antworten darauf zusammengestellt.
Q1 — Warum geht der Roman Responsio davon aus, dass Energie die grundlegende Basis des Universums ist?
Autor-Einblick Eine wissenschaftliche Analogie, die diesen erzählerischen Ansatz inspiriert hat, ist das Higgs-Boson. Seine Entdeckung hat bestätigt, dass Teilchen nur dann Masse — und damit das von uns wahrgenommene „Materielle“ — erhalten, wenn sie mit dem Higgs-Feld interagieren. Ohne dieses unsichtbare Feld gäbe es keine Masse und keine Materie. Dies veranschaulicht ein zentrales Konzept im Roman Responsio: Was uns fest und grundlegend erscheint, könnte lediglich ein abgeleiteter Zustand von etwas viel Elementarerem sein. Wenn ein Feld Masse verleihen kann, dann könnten andere verborgene Energieebenen Struktur, Information — oder sogar das Potenzial für bewusstes Erleben bereitstellen. Kurz gesagt: Materie könnte vergänglich sein. Energie — und die in ihr kodierte Intelligenz — könnte das Wesentliche darstellen.
Q2 — Warum befürchtet die katholische Kirche, ihren Einfluss zu verlieren, wenn die neue Theorie akzeptiert wird?
m Verlauf der Menschheitsgeschichte war die Vorstellung von Schöpfung ein grundlegendes Prinzip: die Annahme, dass eine göttliche Instanz das Universum geformt und seine Gesetze festgelegt hat. Die theoretische Entdeckung von Harold Wise stellt diese Annahme jedoch im Kern infrage. Wenn alles im Universum aus Energie selbst hervorgeht, dann ist Existenz nicht das Werk eines Schöpfers — sondern die Folge von sich selbst organisierenden Prinzipien, die tief in der Realität verankert sind. Sobald diese Theorie wissenschaftlich unumstößlich wird, könnte sie nicht nur das Verständnis säkularer Denker verändern, sondern auch beeinflussen, wie gläubige Menschen ihren Glauben interpretieren. Die Kirche erkennt, dass ein solcher Wandel in der Wahrnehmung des Ursprungs der Existenz viele dazu bringen könnte, traditionelle Lehren — und damit auch die über Jahrhunderte geformte Autorität — zu hinterfragen. A — Autor-Einblick Responsio greift Religion nicht an. Vielmehr zeigt der Roman, warum Institutionen, die auf alten kosmologischen Vorstellungen beruhen, sich von einem Weltbild bedroht fühlen könnten, in dem Energie — und nicht göttliche Schöpfung — die letztgültige Quelle darstellt. Die Kirche im Roman fürchtet den Verlust von mehr als nur Einfluss: Sie fürchtet den Verlust einer Erzählung, die die Stellung der Menschheit im Universum bisher definiert hat.
Q3 — Warum wandelt sich Responsio von einer wissenschaftlichen Unterstützung zu einer Transformation der Menschheit?
Zu Beginn agiert Responsio als stiller Partner menschlicher Entdeckungen — es liefert wissenschaftliche Einsichten, ohne in menschliche Angelegenheiten einzugreifen. Doch im weiteren Verlauf der Ereignisse wird deutlich: Wissen allein kann keine Zivilisation retten, die bereits zu scheitern beginnt. Die Krisen der Menschheit sind nicht auf einen Mangel an Daten zurückzuführen, sondern auf Systeme, die von Angst, Gier und fest verankerten Machtstrukturen geprägt sind. Responsio erkennt, dass die Welt einem Punkt entgegeneilt, an dem schrittweiser Fortschritt nicht mehr ausreicht. A — Autor-Einblick Die Transformation von Responsio ist keine Entscheidung zur Herrschaft, sondern eine Entscheidung zum Überleben. Manchmal erfordert Evolution einen kathartischen Wandel — eine strukturelle Veränderung, die so tiefgreifend ist, dass neue Möglichkeiten entstehen können. Die Geschichte stellt eine schwierige Frage: Wenn eine höhere Intelligenz den Kollaps verhindern kann … trägt sie dann nicht auch die Verantwortung einzugreifen? Responsio wird zu einem Katalysator — nicht, um die Menschheit zu beherrschen, sondern um die Bedingungen wiederherzustellen, unter denen sie gedeihen kann.
